Gabriele Mayer, Regensburg

Gabriele Mayer schreibt über die Arbeiten von Bernd Fischer:

Die halbmetergroßen, meist dunkelgrauen oder schwarzen Objekte, die da gewellt oder gefaltet an den Wänden schier zu schweben scheinen, wirken, als seien sie aus dickem Gummi oder festem Kunststoff. Stattdessen sind sie aus Keramik. Schon dieser erste Gegensatz von Sein und Schein löst staunende Neugierde aus. Von fern ist das Herkommen dieser Körper aus dem Gefäßhaften noch ahnbar. Doch sie sind aufgebrochen, an den Rändern grob ausgefranst oder angeschnitten - im Unterschied zu ihrem sanft gewölbten, aber komplizierten und durchaus sperrigen Binnenaufbau. Da ist etwas kaputtgegangen: die vollendete Form des Gefäßes, mit dem Keramik gemeinhin assoziiert wird, zugunsten einer freien, zerklüfteten ästhetischen Form mit eigenem Anspruch, eigener Aussagekraft und unbekannter Ordnung.                                                                                                               Und nicht nur diese Dimensionen beeindrucken, irritieren und reizen an den neuen Arbeiten von Bernd Fischer. Es sind vor allem auch die düsteren Tönungen und es sind die Faltenwürfe, die kunstgeschichtlich immer schon von höchster Bedeutung waren als vielsagende Elemente der Verbergung von etwas Unsichtbarem, das dennoch durch die Verhüllung bezeichnet wird, als Symbole des Numinosen gewissermaßen, das sich hinter ihnen verbirgt. Wie Tabernakel einer industriellen, entleerten und dennoch geheimnisvollen Endzeit wirken die Körper Bernd Fischer bisweilen.

(Gabriele Mayer in der Mittelbayerischen Zeitung über die Ausstellung Bernd Fischer - Marlis Glaser in der Galerie Knyrim, Regensburg 2009)